Der letzte seiner Art – die einsame Fichte

Nun steht diese Fichte ganz alleine in seinem Gebiet. Vielleicht ist sie etwas stärker gewesen, vielleicht hatte sie auch Glück. Es ist schwierig, jedoch ist an diesem Baum etwas sehr besonderes. Ich habe ihn sehr lange umarmt, stand mit meinen Füßen auf seinen Wurzeln und drückte meine Stirn an ihn. Direkt war eine Verbindung da, wie bei einem alten Freund den man lange nicht gesehen hat und trotzdem dort anknüpft. Ich fühlte eine starke Energie – kennst du das wenn du mit aller Kraft etwas erreichen willst? Mag es auch aussichtslos sein, aufgeben ist keine Option und du machst weiter und weiter… Irgendwann wird dann klar das dass Ziel gar nicht so wichtig ist, sondern der Weg dahin.

Verbindung herstellen und zu lassen

Es kostet Überwindung einen Baum zu umarmen, diesen hier ganz besonders. Ich wurde richtig hingezogen und mir war klar, es ist hier irgendwas in der Luft. Der Schnee knirschte unter meinen Fußen als ich auf ihn zugegangen bin. Es war ein kalter Wind auf meiner Haut. Doch in dem Moment als ich die Entscheidung getroffen habe ihn zu umarmen, merkte ich das wir eine wirklich tiefe Verbindung haben. Ich bin schon viele Male diesen Berg hinauf gegangen ohne das ich diese Energie wahrgenommen hatte. In diesem Moment jedoch ging sie auf mich über. Mir schossen Bilder in den Kopf voneinigen meiner Erlebnissen die vermutlich eine Energieverschwendung gewesen sind. Genauso schossen dann aber auch die Bilder in meinen Kopf die mir aufgezeigt haben, dieser Kampf hat sich gelohnt. Nach einigen Momenten wurde es dann still und ganz ruhig. Eindeutig hatte dieser Baum diese Botschaft für mich.

Die Kunst des Krieges

Sich vorzubereiten und den Kampf für eine vermutlich gute Absicht aufzunehmen hat etwas mit Macht zu tun. Doch was ist Macht? Und was macht Macht? Was ist Beharrlichkeit und ist es nicht vielleicht besser gar nicht erst in einen Kampf zu ziehen? Dieser Baum jedenfalls hat noch einige Schlachten vor sich, jedoch früher oder später wird er wie seine Brüder und Schwestern fallen. Manche Bäume scheinen also auch beharrlicher zu sein, das Leben findet eben immer einen Weg. In diesem Moment war es auf jeden Fall für mich zu erkennen, dass sich nicht immer jeder Kampf gelohnt hat. Vielleicht habe ich manchmal zu wenig geplant oder zu wenig Strategie gehabt. Vielleicht war aber auch die Wahl des Terrains nicht immer die richtige. Grundsätzlich fühlte ich das Bewusstsein das mir aufgezeigt hat, hier kann ich etwas lernen. So sollte es grundsätzlich jeden Tag sein, denn etwas zu lernen ist doch häufig auch das Schließen von Wissenslücken – und davon haben wir Menschen häufig mehr als wir denken.

Krieger des Lichts

Paolo Choelo hat uns einige gute Bücher geschrieben, einige Geschichten erzählt die wir vielleicht nie wahr genommen hätten. “Krieger des Lichts” ist jedenfalls ein sehr schönes Buch, kurze Geschichten die eine Erkenntnis bieten. Wir können hin und wieder drin blättern und uns etwas daraus mitnehmen. So habe ich den Baum auch gefragt ob er ein “Krieger des Lichts” ist. Es ist manchmal nun mal wichtig nicht von dem Umschlag eines Buches auf seinen Inhalt zu schließen, mahnte mich der Baum. Tauche ein und nimm dir Zeit dafür.

So nahm ich mir auch die Zeit dem Baum zu danken und mich über diesen Energieaustausch wieder in den inneren Frieden versetzt zu fühlen. Es ist nicht wichtig jeden Kampf zu gewinnen, es ist wichtiger nicht jeden Kampf aufzunehmen. Wenn es deinen inneren Frieden kostet, ist es zu teuer.

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